Ich hatte Angst, aber ich ließ es mir nicht anmerken.

Meine Frau und ich spazierten an einem endlosen Strand in Holland und wir diskutierten über unsere Zukunft.

Ich hatte den Entschluss gefasst, meine Juristenkarriere aufzugeben – bevor sie so richtig angefangen hatte. Ich wollte tun, was ich liebe: schreiben.

Meine Entscheidung war gefallen – jetzt musste ich nur noch meine Frau überzeugen. Das war nicht leicht, denn schließlich hatte wir zu der Zeit bereits ein Kind und das zweite war schon unterwegs.

Weiter mit Jura machen, wäre eine sichere Nummer gewesen. Doch ich wollte nicht den sicheren Weg gehen, ich wollte den richtigen Weg gehen.

Die Frage war nun: Wie mache ich mich als Familienvater selbständig?

Für den Sprung in die Selbständigkeit gibt es viele Ratschläge. Doch die meisten konnte ich nicht gebrauchen, weil sie häufig nicht zu meiner Lebenssituation passten.

Zu den unnützen Ratschlägen zählten:

  • Kürze die Ausgaben (Noch weiter kürzen? Wir haben nicht mal ein Auto.)
  • Benutze deine Ersparnisse (Was für Ersparnisse? Ich habe noch Studienschulden.)
  • Ziehe in eine kleinere Wohnung (Noch kleiner? Wir haben nicht mal ein Wohnzimmer.)
  • Nimm einen Gründer-Kredit auf (Klar. Wenn schon scheitern, dann mit hohen Schulden?)
  • Die Frau soll arbeiten gehen (Geht schlecht, wenn man hochschwanger ist.)

Ich musste also nach einem anderen Weg suchen und ich schaute mir die erfolgreichen Blogger und Selbständigen an, die sich selbständig gemacht hatten, obwohl sie eine Familie hatten: Jeff Goins, Leo Babauta und andere.

Von ihnen habe ich drei wesentliche Prinzipien gelernt, die ich dann auf mein Leben angewandt habe.

Diese drei Prinzipien sind:

Habe einen genauen Exit-Plan

Die Betonung liegt hier auf genau. Viele haben eine ungefähre Vorstellung von dem, was sie machen wollen.

So wollen viele „Blogger“ werden. Doch was heißt das eigentlich? „Ich will irgendwas mit Medien machen“ ist kein Plan, sondern Wunschdenken.

Deine Träumerei wird erst zu einem echten Plan, wenn du genau weißt, was eigentlich dein Geschäftsmodell ist.
Mit anderen Worten: Wie zum Geier willst du eigentlich Geld verdienen?

Das war die alles entscheidende Frage. Und bis ich diese Frage nicht bis ins letzte Detail beantwortet hatte, war mein Plan kein Plan, sondern reine Träumerei.

Ich habe genau aufgeschrieben, wie ich Geld verdienen möchte: Mit Artikeln, Webtexten und Journalismus.

Weiter habe ich dann analysiert, wie viel Geld ich bräuchte, um meine Familie gut durchzukriegen und wie meine Preise aussehen müssten, damit ich das auch erreiche.

Der größte Fehler, den ich bei meiner Planung gemacht hatte: Ich hatte die Preise zu niedrig angesetzt. Ich hatte Steuern, Ausgaben und Versicherungen deutlich unterschätzt. Ich hätte 60 Stunden pro Woche arbeiten müssen, um alles zu bezahlen.

Zum Glück bemerkte ich den Fehler schnell und hob meine Preise an – wohl die beste Business-Entscheidung, die ich je getroffen habe.

Baue die Arche vor der Flut

Stell dir vor, Noah hätte seine berühmte Arche erst angefangen zu bauen, wenn der Regen anfing. Ein bisschen spät oder?

So gehen einige in die Selbständigkeit. Die Kosten und Rechnungen flattern ins Haus und dann macht man sich an die Arbeit, Geld zu verdienen und Kunden zu finden.

Doch man sollte die Arche vor der Flut bauen. Sprich: Du solltest schon Kunden und Einnahmequellen haben, bevor du den Sprung machst.

So sah das bei mir aus: Ich habe während meines Referendariats beim Handelsblatt als freier Autor gearbeitet. Kein sicheres, aber ein konstantes Nebeneinkommen. Doch diese Säule allein war zu klein, um von ihr zu leben.

Also musste ich mehrere Säulen aufbauen. Zusätzlich begann ich – ebenfalls während des Referendariats – schon Kunden für Webtexte und Webseiten zu gewinnen. Ich machte kleine Projekte, um mir ein Portfolio aufzubauen. Ich verdiente wenig Geld, aber die Referenzen waren in diesem Moment wichtiger.

Nachdem meine Journalismus-Webtexter Kombination genug Geld abwarf, machte ich mich bereit zum Sprung. Ich hatte mittlerweile mehr Kundenanfragen als ich bewältigen konnte und damit einen soliden Start in die Selbständigkeit.

Wie lange hat das ganze gedauert?

Vom Plan bis zum Sprung sind gut zwei Jahre vergangen. 2012 hatte ich meinen Blog gestartet. 2013 hatte ich entschieden, dass ich beruflich schreiben möchte. 2014 habe ich mich dann als Freelancer selbständig gemacht.

Das Freelancer-Dasein war toll – doch auch nur bis zu einem gewissen Grad. Irgendwie merkte ich, dass so ein Freelancer sich schnell sein eigenes Hamsterrad bauen kann (das merkte ich vor allem daran, dass ich fast immer bis spät in die Nacht Kundentexte fertig schreiben musste). 5 to 9 hat bei mir irgendwie nicht ganz geklappt.

Und hier kam dann das dritte Prinzip zur Anwendung…

Von der Dienstleistung zum Produkt

Selbständig sein war bei mir zu Beginn wirklich so, wie der Name es sagt: Ich arbeitete selbst und ständig.

Ich begann mit Dienstleistungen, weil sie der schnellste und sicherste Weg sind, um mit deiner Leidenschaft Geld zu verdienen.

Du liebst es mit Menschen zu arbeiten? Biete ein Coaching an.

Du liebst das Surfen? Bring es anderen bei.

Du liebst das Schreiben? Schreibe für andere.

Ich rate dir, wenn du ein gewisses Grundeinkommen und für deine Familie einen gewissen Grad an Sicherheit brauchst, dann starte immer mit Dienstleistungen.

Viele begehen den Fehler und konzentrieren sich sofort auf ein weltbewegendes Produkt. Sie entwickeln, schreiben und arbeiten vielleicht Monate daran, veröffentlichen es dann und …

Nichts und. Keiner kauft das Produkt, weil es einfach keiner haben will.

So etwas passiert oft, wenn man nicht weiß, was die Zielgruppe braucht oder noch wichtiger: was die Zielgruppe will.

Dienstleistungen geben dir die Möglichkeit mit und für deine Zielgruppe zu arbeiten. So erfährst du, welche Nöte sie haben, was sie beschäftigt und wie sie ticken.

Lerne deine Zielgruppe kennen. Danach – wirklich erst danach – kannst du anfangen ein Produkt zu entwickeln.

Wie könnte so ein Produkt aussehen?

Packe wiederkehrende Fragen in ein Buch. Löse wiederkehrende Probleme in einem Kurs. Entwickle eine Software für nervige Kleinarbeit…

Was für ein Produkt du erstellst, ist erstmal egal. Wichtig ist, dass du überhaupt eins entwickelst. Wahrscheinlich wird sich dein erstes Produkt miserabel verkaufen – lass dich dadurch nicht verunsichern. Die Erfahrung zählt.

Wichtig ist, dass du immer weiter das Gleichgewicht von der Dienstleistung hin zum Produkt verschiebst. So kannst du langfristig aus der „Zeit gegen Geld“ Falle entkommen. Es wird einige Jahre dauern, doch es gar nicht zu tun, ist auch keine Lösung.

Ich habe mein erstes Produkt im Mai 2015 auf den Markt gebracht. Kein riesiger Erfolg, aber eine Erfahrung. Ich kann noch nicht von meinen Produkten leben, aber sie machen gut 30 Prozent meines Einkommens aus – Tendenz steigend.

Wenn du als Familienvater mehr Zeit für deine Familie haben willst, dann solltest vor allem das dritte Prinzip nicht missachten.

Der Weg zur Freiheit

Auf dem Weg in die Freiheit, raus aus dem Hamsterrad, sind die Gefährten extrem wichtig. Niemand ist eine Insel und deshalb sind Verbündete so wichtig. Als Familienmensch sind deine engsten Verbündeten deine Familienmitglieder. Deshalb solltest du vor allem sie von der Selbständigkeit überzeugen. Wenn sie nicht mitrudern, dann wird das Boot nicht vom Fleck kommen oder sogar untergehen.

Die beste Überzeugungsarbeit leisten dabei diese drei Prinzipien: Habe einen klaren Plan, der vor allem klar darstellt, wie man Geld verdienen soll. Baue ein sicheres Netz aus Kunden vor dem Sprung auf. Und zu guter Letzt: Gehe langsam von Dienstleistungen zu Produkten über, um mehr Zeit im Leben zu haben.

Ich möchte dir noch einen letzten Rat mit auf den Weg geben und wenn du Kinder hast, dann wirst du das bestimmt kennen:

Es ist nicht leicht, aber es lohnt sich.


Anmerkung von Markus: Wenn du auch einen Gastartikel bei mir veröffentlichen willst, schau einfach hier vorbei!


 

Walter Epp

Walter Epp ist selbständiger Blogger und Autor. Er sagt sich jeden Morgen: „Du lebst nur einmal… Mache das Beste draus.“ Und genau darüber schreibt er auch auf seinem Blog endlichlebendig.de.

Zuletzt aktualisiert: 01.03.2017