„Es tut mir leid, ich kann heute nicht so lange bleiben, ich starte heute noch meine Dienstreise“, sagte ich zu meinen Freunden, mit dem Gedanken schon längst bei meiner Reise nach Shanghai.

Ich gebe zu, dass ich mir dabei extrem gut vorkam!

Meine Dienstreisen, ein hohes Gehalt, zweisprachige Visitenkarten, ein voller Terminkalender und ein volles E-Mail-Postfach sprachen dafür, dass ich es geschafft habe.

Die Bewunderung meiner Freunde und Familie streichelten mein Ego und ich war überzeugt, die Karriereleiter nach oben zu klettern.

Voller Begeisterung ging ich täglich zur Arbeit, hatte beim täglichen Besprechungs-Marathon meinen Spaß und fiel abends zufrieden ins Bett.

Das lief ein paar Monate so, doch dann war es plötzlich sichtbar, das HAMSTERRAD!

Es schlich sich an, beinahe unbemerkt

Während ich weiterhin meine Arbeit machte, schien die rosarote Brille an Kraft zu verlieren!

Sowie die Macken der neuen Partnerin langsam auftauchen, nachdem sich die Schmetterlinge im Bauch verabschiedet haben, zeigte sich auch das Hamsterrad.

– Meine Freunde und Familie haben sich an meinen beruflichen Aufstieg gewöhnt und kümmerten sich nicht mehr darum.

– Wohin ich kam, traf ich jammernde Kollegen.

– Der Gehaltszettel löste nicht mehr das gewöhnliche „geil“ aus, lediglich ein emotionsloses „nett“.

– Die vielen Besprechungen begannen zu nerven, weil jede von ihnen für noch mehr sinnlose E-Mails sorgte.

– Anstatt Spaß zu haben, zählte ich die Stunden bis zum Feierabend.

(Irgendwann habe ich das ganze professionalisiert und zähle vormittags die Stunden bis zur Mittagspause und nachmittags die Stunden bis zum Feierabend.)

Um das Leid zu minimieren, kaufte ich mir tolle Dinge, erhöhte meine Ausgaben und kam dem Hamsterrad gefährlich nahe.

Kann es das wirklich gewesen sein?

Es war der Schock meines Lebens, als ich festgestellt habe, dass beinahe alle Erwachsenen in einem Job festsitzen, der sie nicht glücklich oder sogar unglücklich macht!

„Wann ist der Moment gekommen, in dem ihr euch an eure Unzufriedenheit gewöhnt und das bescheidene Leben akzeptiert habt?“, dachte ich mir verzweifelt.

  • 230 Tage im Jahr zur Arbeit quälen, um sich 5 Wochen von dieser Last zu erholen?
  • Die eigene Zeit verkaufen, damit man sich Dinge leisten kann, mit denen man sich über das eigene Unglücklichsein hinweg tröstet?
  • 5 Tage in der Woche auf das Wochenende warten, bis man endlich wieder leben kann?
  • Sich den Arsch für die nächste Beförderung aufreißen, nach der sich das Ego kurz freut, bevor es feststellt, dass die neue Position noch mehr kostbare Lebenszeit kostet.
  • Auf die Rente warten, bis man endlich all die coolen Dinge tun kann, die man schon immer machen wollte?

Das ist doch Bullshit!

Wir verbringen viele tausende Stunden in unseren Jobs! – Kann das alles sein, was auf uns wartet?

Unsplash / Pixabay

Die Suche nach Sinn und Bedeutung

Wir Menschen sind „Sinn-Wesen“ und sehnen uns zumindest unbewusst danach, in dem was wir tun, Sinn zu erkennen.

Mich hat es todunglücklich gemacht, als ich erkannt habe, dass meine Arbeit zum Ergebnis hat, dass eines Tages ein neues Auto-Modell auf den Straßen zu sehen sein wird.

  • Ein Auto wie jedes andere, das einem Business-Case entsprang, der einen arabischen Scheich noch reicher machte.

Kann das tatsächlich der Sinn meines oder deines Leben sein?

Reicht das tatsächlich aus, um irgendwann zurückzublicken und zu sagen:

„Ja mein Leben hat Sinn gemacht?“

Ein Appell für mehr Sinn in deiner Arbeit

Menschen möchten aus dem Hamsterrad ausbrechen, um auf Reisen zu gehen, selbstbestimmt über die eigene Zeit zu bestimmen, das eigne Business zu starten oder endlich den finanziellen Durchbruch zu erzielen.

Doch ist es das wirklich, was die Sehnsucht nach der Freiheit so groß macht?

Ich gehe davon aus, dass es vielmehr das (oft unbewusste) Bedürfnis nach Sinn und Bedeutung ist, welches uns in der Arbeit leiden lässt und den Ausbruch aus dem Hamsterrad so attraktiv macht.

  • Menschen leiden nicht, weil sie 8 Stunden am Tag im Büro sitzen, sondern weil sie 8 Stunden ihres Leben verschwenden und nicht wissen wofür.
  • Menschen schlittern nicht nur durch Überarbeitung ins Burnout, sondern weil sie aufgehört haben, für den Sinn ihrer Arbeit zu brennen.
  • Menschen sehnen sich nicht nach mehr Freizeit, sondern nach Lebenszeit, die sie erfüllt.

Wirklich niemand ist scharf darauf, wie ein Zombie auf der Arbeit zu sitzen, um eines Tages festzustellen, dass das eigene Leben verpasst wurde.

Dem Sinn auf der Spur

In der Arbeit mit meinen Kunden stelle ich immer wieder fest, dass wir Menschen genau wissen, was unserem Leben Sinn gibt.

Das Problem ist, dass wir über die Jahre verlernt haben, auf unsere innere Stimme zu hören, die genau weiß, wo es lang geht.

Deshalb rate ich dir, in den nächsten Wochen sehr bewusst durch das Leben zu gehen und darauf zu achten, welche Menschen, Tätigkeiten, Projekte, Bücher, Gegebenheiten etc. dich begeistern.

  • Was bewegt dich an diesen Menschen und Projekten?
  • Was verändern diese Menschen im Leben ihrer Mitmenschen?
  • Welche Elemente ihres Tun und Sein turnen dich an?

Deine Begeisterung kann auf Dinge hinweisen, die in dir schlummern und endlich gelebt werden möchten!

  • Welchen Sinn möchtest du deiner Arbeit geben?

Ich glaube an dich.

Robert

P.S. Und vergiss nicht den Arsch hoch zu bekommen, wenn du Möglichkeiten gefunden hast, deinem Leben mehr Sinn zu geben. (Das bedeutet übrigens nicht, dass du zuerst deinen Job kündigen musst! Jede Veränderung beginnt mit kleinen Schritten, die du trotz Hamsterrad gehen kannst!  😉 )

Robert Kraxner
Robert Kraxner

Robert Kraxner ist davon überzeugt, dass die klassische Karriere keine Zukunft hat und junge Menschen gefordert sind, ihren eigenen Weg zu gehen, anstatt sich an das Leid des Hamsterrad zu gewöhnen!


Auf Erfolg-mit-Sinn.com und in seinem Podcast „jung & erfolgreich“ gibt er konkrete Strategien weiter.

16 Kommentare

  1. Dem Artikel kann ich kopfnickend zustimmen.

    Bewusst geworden, dass ich trotz der Leidenschaft für den Job, den überdurchschnittlichen Einsatz und den eingebrachten Mehrwert durch privat finanzierte Weiterbildungen und meiner Flexibilität, über mehrere Jahre an mehreren Standorten zu arbeiten für einen Arbeitgeber, sowie privat ebenfalls für den Arbeitgeber mutgezügelt zu sein, nun ohne Angabe eines Grundes gekündigt worden zu sein, zeigt mir gerade, welcher Missstand in der Arbeitswelt herrscht, der gern mit Marketingaktivitäten nach aussen geschönt wird.

    Mein Einsatz, der Erfolg und meine gewinnende Art sowie unternehmerische Denkweise haben wohl bei Dritten Neid oder Angst ausgelöst, weshalb ich mit anonymen Briefen intern über sechs Jahre angegriffen wurde und noch werde. Ausgelöst wurde dadurch ein Dünndarmgeschwür, weil ich diese Angriffe über den Zeitraum alleine verarbeite. Ich hatte einen Weg gefunden, mit Ihnen zu leben. Aber durch die Kündigung – der Schreiber hat ein Ziel von seinen Zielen erreicht – hinterfrage ich mal wieder die Unternehmen, die das unterstützen.

    Fazit in der 3. gekündigten Woche: Ich möchte nicht über das nachdenken, weil es mir wichtige Zeit raubt.

    Ich kann helfen, mit Tipps, die Betroffene benötigen, weil ich selbst weiss, wie es ist davon betroffen zu sein.
    Natürlich würde ich auch gern ein heiteres Thema wählen. Aber es ist an der Zeit sich auch ernsthaften Themen anzunehmen, die immer mehr im Alltag vorkommen.

    Gerade in den westlichen Ländern steigt die Zahl der zwischenmenschlichen Konflikte im Unternehmen oder privat. Auch, weil Gesetze der Überarbeitung bedürfen. Oder private Organisationen nehmen sich dieser Thematik an und helfen richtig und zeitnah.

    Es gibt so viele Projekte für die sich Menschen stark machen, warum nicht für Betroffene, die im Arbeitsleben geschädigt werden, ohne eigenes Verschulden?

    Ich verallgemeinere nicht, kenne aber Unternehmen, die solche Missstände vertuschen oder sagen, sie passieren nicht. Stellt sich die Frage: Warum entlassen die Unternehmen die Betroffenen und behalten die Täter im Unternehmen? Ich kann das nicht nachvollziehen. Denn das verursacht nicht nur für den Betroffenen einen wirtschaftlichen Schaden, sondern auch für das Unternehmen. Und, die Mitarbeiter sind manchmal auch die Kunden des Unternehmens.

    Ich bin nicht mehr Kunde, in keinem der Gruppe und meide sie auch als Arbeitgeber, denn ich kenne nun das Bild von innen und nicht nur von aussen. Das ist eine Führungspolitik. Und die Politik wird von oben gelebt.

    Bildung und eine eigene Meinung sind eben nicht überall erwünscht.

    • Liebe Manuela,

      ich wünsche dir auf deinem neuen Weg alles Gute.

      Persönlich bin ich der Auffassung, dass sich in der Arbeitswelt sehr vieles ändern wird. Dazu braucht es auch Vordenker, die den Mut haben, sich für diese Veränderung einzusetzen. Go for it! 🙂

      Alles Liebe
      Robert

  2. Hi Robert,

    Toller Artikel.

    Schade, dass er so abrupt endet. Ich hätte gerne noch mehr gelesen 🙂

    Ich kann dir da nur voll zustimmen.

    Warum ich aus dem Hamsterrad ausgebrochen bin?

    Arbeitszeit sollte bei mir Lebenszeit sein.

    Ich will nicht wenig arbeiten – ich will erfüllt arbeiten. Mein Leben als Autor macht es mir (endlich) möglich.

    Danke für den ermutigenden Artikel.

    Viel Erfolg auf deiner Reise nach mehr Sinn.

    LG, Walter

    • Hallo Walter,

      danke für dein Feedback. 🙂

      Ich war stark geprägt vom Glaubenssatz “Zuerst die Arbeit, dann das Vergnügen”.
      Sozusagen das Gegenteil von “Arbeitszeit = Lebenszeit”.

      Mögen immer mehr Menschen verstehen, dass Arbeit auch Spaß machen und eines der größten Geschenke sein kann.

      Alles Liebe
      Robert

  3. Schöner Artikel!!!
    Mein erster Schritt raus aus dem Hamsterrad war auf Karriere zu pfeifen. Teamleiter/Gruppenleiter war zum Greifen nahe. Aber der Stress und die Tatsache das ich mich immer mehr von dem entfernt habe was mir Spass macht hat mich zum Entschluss getrieben zu kündigen. Fast muss ich meinem Ex Arbeitgeber danken dass er so beschissen zahlt. Jetzt mache ich wieder das was mir Spass macht, werde weitaus besser bezahlt. Geld das ich für meine finanzielle Unabhängigkeit nutze weil ich es nicht gleich wieder ausgebe. Zu guter letzt deutlich besseres Work Life Balance. Freitags um 15 Uhr daheim, keine unbezahlten Überstunden.

  4. Hey Robert,

    wie cool! Toller Beitrag! Ich war nie in einem Hamsterrad. Ich habe immer einen ganzen Beruf gewechselt, wenn ich keinen Spaß mehr hatte. Und das mehrmals. Nach der Geburt meiner Kinder wollte ich etwas tun, was mir wirklich am Herzen liegt.

    Heute arbeite ich mehr, als jemals zuvor und bin super dankbar, dass ich diese Arbeit tun darf. Ich liebe es! In einem TED-Talk über Motivation hat der Redner von 3 Aspekten gesprochen: Selbstbestimmtheit, Sinn und die Möglichkeit, sich weiter zu entwickeln. In meiner Selbständigkeit habe ich alle 3! Und jede Menge Spaß :-).

    Ganz liebe Grüße
    Melanie

    • Hey Melanie,

      yes, echt stark, wie du deinen Weg gehst.

      Ich kann die Leidenschaft gut nachvollziehen, die frei wird, wenn man alle 3 Punkte (Selbstbestimmtheit, Sinn und Möglichkeit zur Weiterentwicklung) lebt.

      DANKE
      Alles Liebe
      Robert

  5. Hallo Robert,

    einfach nur KLASSE!
    Das mit dem Auto kann ich so gut verstehen. Bin ebenfalls noch in der Automobilbranche und stelle mir täglich die Frage, was ich eigentlich hier mache.

    Zum Glück ist mir schon vor ca 2 Jahren bewusst geworden. Nun bin ich auf dem besten Weg 🙂

    Weiter so!

    Liebe Grüße,
    Dominik

    • Lieber Dominik,

      freut mich, dass dich der Artikel so anspricht.
      Ja, sowie ich die Automobil-Branche kenne, ist sie der Inbegriff des Hamsterrad! 😉

      Stark, dass du dich auf den Weg gemacht hat!

      Alles Liebe
      Robert

  6. Toller Artikel 😀 und ich befinde mich auch auf einem Weg dorthin, das Hamsterrad ist zwar noch da aber es rückt immer weiter in den Hintergrund !

    Mal sehen was 2017 bringen wird !

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