Irgendwann ist es passiert.

Ich weiß nicht wann genau, aber es ist definitiv passiert. Irgendwann fühlte ich mich in meinem Lifestyle Business müde. Irgendwann stand ich morgens auf und fühlte zur Abwechslung nicht dieses:

Ich kann kaum erwarten, in den heutigen Tag zu starten

sondern es fühlte sich ein klein wenig anders an. Mehr nach

Ok, heute steht einiges an. Wird spannend.

Anfänglich schenkte ich dieser kleinen Veränderung wenig Aufmerksamkeit. Es scheint ja auch nicht jeden Tag die Sonne.

Aber die morgendliche Grundeinstellung begann Schritt für Schritt sich auf und ab zu bewegen. Waren es zuerst nur kleine Ausschläge nach oben und unten, wurde es mehr und mehr zu einem Roller-Coaster.

Und dann schleichend, aber sicher wurden es immer mehr Tal- als Bergfahrten. Die Motivation lies nach. Ich fühlte mich müde. Ich sah am Horizont ein neues Hamsterrad auftauchen.

In diesem Augenblick war ich aber sehr froh über einen äußerst wichtigen Umstand.

Die wichtigste Fähigkeit

Mir war es aufgefallen. Dieser Weg, diese Eintrübung in meinem Mindset und meiner Motivation wurde mir klar. Denn was ich schon geraume Zeit davor (also noch bevor die schleichende Talfahrt begann) in meinem Leben geholt habe, war Achtsamkeit.

Achtsamkeit ist die Fähigkeit bewusst und aufmerksam quasi in Echtzeit mitzubekommen, was gerade mit mir passiert. Wenn du meine Metapher von der Flipperkugel kennst, dann wäre es damit zu vergleichen, nicht mehr „nur“ die Flipperkugel zu sein, sondern auch gleichzeitig, der zu sein, der den Flipper bedient.

Klartext: Der Strudel an negativen Veränderungen in meinem Lifestyle Business war direkt vor mir und zog heftig an mir. Sehr heftig. Die Achtsamkeit war meine Sicherungsleine. Sie hielt mich am Rande des Strudels.

Mein nächster Schritt war aus der Sicherheitsleine eine Reißleine (also wie beim Fallschirm) zu machen, die mich mit einem heftigen Ruck aus dem Strudel rausholt.

Auch da half wiederum die Achtsamkeit. Ich schaltete nicht nur einen Gang zurück. Ich ging zurück zum ersten Gang und lies alles los, was nicht unbedingt sein muss. Das war hart. Aber nachdem ich mich recht gut kenne (kleine Anleitung auch für dich hier) ging recht schnell.

Und ich wurde mir klar, was sich an meiner Einstellung verändert hat. (Zu dieser kleinen Übersicht kommen wir gleich). Und plötzlich passiert etwas Spannendes, wenn auch Trauriges.

Den Strudel kannten auch andere

All die Phänomene, die meine mentale Talfahrt eingeleitet haben, nahm ich plötzlich bei vielen Kollegen auch war. Ich begann der Sache auf den Grund zu gehen. Führte viele Gespräche mit Kollegen, ging auf Netzwerkveranstaltungen und hörte zu. Hörte zu wie Blogger, Online Selbständige und Solopreneure über ihr Business reden, wenn sie unter sich sind.

Und mir wurde klar: Da ist was passiert. Irgendwie ist sehr vielen das „Warum“ abhanden gekommen. Die Klarheit, warum bin ich Blogger oder Solopreneur geworden. Irgendwie ist der Idealismus abhanden gekommen.

Haben wir anfänglich viel von Visionen und idealistischen Dinge gesprochen, ging es plötzlich in den Masterminds und den informellen Gesprächen nur mehr um Produktlaunches, Conversion-Optimierungen und Kohle.

Das Glänzen in den Augen ist den Dollarzeichen gewichen.

Und es war weniger Begeisterung und mehr Verbissenheit zu spüren. Und was mir noch klar wurde: Viele sind müde. (Fast hätte ich jetzt das Wort “Burnout” benutzt….)

Das Problem mit unserer “Instant-Zeit”

Ein weiteres Phänomen wurde mir klar. Jene Kollegen, die noch nicht lange dabei sind, kommen viel schneller in den Müdigkeits-Status. Weil sie aufblicken zu denen, die es vermeintlich im Handumdrehen geschafft haben und zu denen die vermeintlich erfolgreich sind.

Und sich dadurch Druck aufbaut. Dank Facebook, Challenges, Gratis-Webinaren, Video-Konferenzen und Co, bekommt man es ja täglich achtkantig um die Ohren geworfen:

Alle sind erfolgreich. Alle sind glücklich. Bei allen funktioniert es. Außer bei mir.

Aja noch etwas. Nicht nur die Begeisterung und der Idealismus haben sich verkrümelt. Auch die Ehrlichkeit und die Authentizität haben sich frei genommen.

Wenn du dich ein wenig in diesen Zeilen wieder erkannt hast, dann gehe für dich in aller Ruhe die folgende Liste durch und prüfe, ob die Phänomene auch in deinem Blogger und Lifestyle Business-Leben Einzug gehalten haben.

Denkweisen, die dich in deinem Business müde machen

Gleich vorweg: Mache es für dich allein. Das ist kein Artikel, der hunderte Likes oder Kommentare bekommen möchte. Kein Artikel, den man mal so liked oder shared. (Denn unter uns: Jeder Like und jeder Share sagt etwas über dich aus.)

Die folgende Liste will nicht viral gehen oder die Welt verändern. Die folgende Liste soll dir helfen zu erkennen, achtsam auf dein Business zu blicken und dann kleine Schritte der Kurskorrektur einzuleiten.

Damit das Lächeln wieder Überhand gewinnt und die Denkerfalten aus der Stirn verschwinden können.

Du kennst kein Ende deines Tages

Ein Lifestyle Business hat keine Stechuhr. Daher gibt es für dich meistens kein Ende. Und wenn Familie und Partner auf den Plan kommen und Zeit einfordern, dann ist der Kopf nicht dabei, sondern arbeitet weiter. Das MacBook wird nicht ausgeschaltet, sondern lediglich zugeklappt, der Business-Modus läuft weiter.

Du bist sogar hie und da ein wenig ungehalten, dass dein restliches Leben so viele Störfaktoren beinhalte, wo du doch noch so viel in deinem Business tun möchtest.

Du glaubst wirklich, dass du irgendwann mal fertig bist

“Noch das eine Projekt, dann läuft das Ding.“ „Jetzt muss ich nur mehr XYZ fertig stellen und dann wird’s ruhiger, denn dann bin ich ja quasi fertig.“ Wenn du diese Gedanken kennst, dann belügst du dich jedesmal selbst und schaffst dadurch fette kognitive Dissonanzen in deinem Bewusstsein: Denn du bist nie fertig.

Wenn du dazu tendierst, wirklich zu glauben, dass es nur mehr XYZ braucht und dann wird alles einfach, dann beginne ab jetzt ehrlich zu dir zu sein: Du bist bei einem Lifestyle Business, dass du aus Leidenschaft betreibst, niemals, niemals, niemals, niemals fertig.

Du setzt dir zu große oder falsche Ziele

Anfänglich wollten wir die Welt verändern, jetzt soll es ein Zigtausend Euro Produktlaunch sein. Prüfe worauf du hinarbeitest: Kommen von dir Ziele wie „Umsatz verdoppeln“, „Mitarbeiter“ „größeres Büro“, „etwas beweisen“, „ich will so sein/das haben/so leben/das tun wie Mr. X oder Ms. Y“?

Dann hast du falsche Ziele, denn du musst die Motive dahinter kennen und diese als Ziele definieren. Oder du hast jene Ziele, die deine Motivation nicht fördern, dich nicht anspornen, sondern die so groß sind, dass sie dich runter ziehen.

Du bist ungeduldig und alles geht dir zu langsam

Du blickst zu den US-Kollegen und siehst, wie es bei denen abgeht? Du schaust auf einen deutschsprachigen Kollegen, der schon eine Zeit lang dabei ist und willst das auch alles erreichen. Und zwar nicht in 2 Jahren. Im nächsten Monat müssen die 10.000 Euro Umsatz her. Du vergisst, dass es einen Weg zum Ziel gibt. Und der ist keine Überholspur, sondern eine kurvige Bergstraße.

Unser heutiger Zeitgeist hilft uns nicht viel dabei: Wir können sofort einen Film, ein Buch, einen Song haben, wenn wir wollen. Wir können uns sofort alle Infos besorgen. Wir bekommen pausenlos vor die Nase gehalten, das jeder supererfolgreiche Start-Up Fuzzi quasi über nach mit seinem „Ding“ (was auch immer das sein mag) reich, berühmt und erfolgreich wurde.

Und du willst das auch. Jetzt. Gleich. Sofort. (Nachteil daran: Das geht nicht.)

Du vergleichst dich dauernd mit anderen

Gehört zum vorherigen Punkt. Du beobachtest die Entwicklung von Kollegen, die mit dir gleichzeitig gestartet haben und vergleichst alles. Und wenn jemand mehr erreicht hat als du, schneller bestimmte Hürden, Benchmarks oder Kennzahlen erledigt hat, dann nagt das an dir. Ich muss hier nicht weiter schreiben, denn wenn es dich betrifft, dann kennst du diese Gefühl nur allzu gut. Hör auf damit. Der Tod des Guten ist der Vergleich.

Du bist noch immer Sammler und glaubst etwas zu verpassen

Noch das eine Gratis-Webinar besuchen. Noch das eine Kindle Buch lesen. Noch den einen Online Kurs kaufen. Noch ein wenig mehr in der Facebook-Gruppe Fragen stellen. Denn wenn du „X” nicht hast, liest, tust, dann ist dein Business dem Untergang geweiht und du wirst niemals „Y” erreichen.

Stimmt nicht. Du weiß bereits genug. Du kannst aufhören den hundertsten Blogartikel über Lead-Generierung und den tausendsten Podcast über die Super-Hacks, wie du perfekt in einem Webinar verkaufst zu hören. Entscheide dich für eine Handvoll Strategien und setze die um. Mit Fokus und Konsequenz. Das reicht.

Du netzwerkst und kooperierst dauernd und arbeitest nichts

Foren, Facebook-Gruppen, Masterminds, Erfolgs-Teams und alle anderen Institutionen, die unser Business vermeintlich weiterbringen, tun meiner Meinung nach fast nur eines: Dich am arbeiten hindern.

Wenn ich lese, was in Foren gefragt wird, dann wundere ich mich, ob niemand Google kennt. Denn die Antwort wäre über Google schneller da. Und zig Menschen in eine Facebook Gruppe fragen, ob die neue Landing Page auch wirklich gut ist, bringt auch herzlich wenig. Denn liest man mit Distanz und Achtsamkeit die Antworten dann wird meisten klar: „Die Antworten haben jetzt nicht viel gebracht“.

Fokussiere dich auf einen sehr engen Kreis an Menschen, mit denen du dich austauschst und benutze den Rest der Zeit um zu Tun.

Du tappst in die Missverständnis-Falle, was ein Lifestyle Business ist

Hat mit dem „Ziele“ Punkt zu tun. In meinem Verständnis schafft mein Lifestyle Business die Möglichkeit mehr den Moment zu genießen.

Es soll mich nicht reich machen. Es soll mir keine Macht verleihen. Es soll nicht Ruhm liefern.

Es soll mir die Möglichkeit geben, so zu leben wie ich will.

Denn niemand will in einem großen Büro mit tollen Ausblick arbeiten. Niemand will viel Geld verdienen, wenn nicht klar ist, was dann damit Gutes geschehen soll.

Vergangenheit ist vorbei und Zukunft hat noch nicht stattgefunden. Wir leben jetzt, in diesem kleinem Moment, der sich zwischen Vergangenheit und Zukunft schiebt. Und diesen kleinen Moment, soll mein Lifestyle Business so schön wie möglich machen. Und weil es so viele Momente gibt, ist das genug. Mehr braucht es nicht tun.

Du bist von den falschen Menschen umgeben

Zurück zum Netzwerk. Bist du umgeben von Menschen, die nur von Produkt-Launches, mehr Kohle, Lamborghinis und Schuhe kaufen in Dubai sprechen? Geht es nur um Funnel, Salesstrategien und Co? Dann umgib dich mit anderen Menschen.

Umgib dich mit Menschen, die vor Begeisterung brennen und nicht dafür, mehr Kohle anzuhäufen. Auch wenn der Satz „Du bist der Durchschnitt der 5 Menschen, mit denen du die meiste Zeit verbringst“ mittlerweile wissenschaftlich sehr in Frage gestellt wird, haben Menschen mit denen du dich businessmäßig austauscht einen erheblichen Einfluss. Und zwar weniger auf deinen Erfolg, sondern mehr auf deine Einstellung. Sei in diesem Zusammenhangachtsam und gut zu dir.

Du bist nur mehr auf das eine fokussiert

Mache dir klar, wie viel Zeit du investierst um deinen Lesern und Kunden zu dienen und wie viel Zeit du verwendest um ausgeklügelte Verkaufsstrategien zu entwickeln. Wo ist dein Fokus in deinem Business? Bei den Produkten? Beim Verkaufen? Beim Marketing? Oder bei den Menschen, für die du da alles „eigentlich“ tust? Auch hier hilft Abstand und Achtsamkeit im Augenblick und eine wenig Distanz zu deinem täglichen Tun.


Blogger, Online Selbständiger oder Solopreneur zu sein, ist das Beste, was es gibt. Auch wenn eine Zeit lang meine Einstellung ein wenig down war, habe ich niemals über einen Plan B nachgedacht. Niemals wäre mir in den Sinn gekommen, etwas anderes zu tun.

Denn etwas zu tun, das du gerne tust und damit auch Geld zu verdienen ist ein Geschenk (von Gott, vom Universum, vom Schicksal, von dir selbst an dich oder woran du auch immer glaubst). Sei dankbar dafür, richte mit Achtsamkeit dein Prioritäten aus, erinnere dich daran warum du es tust oder definiere es für dich.

Nimm dir am Wochenende vielleicht nochmal ein paar Minuten Zeit, gehe die Liste durch, erkenne Parallelen und beschließe Maßnahmen. Denn wenn du durch diese Talsohle durch bist, wird es danach noch viel besser.

Selbst erlebt. Kann ich nur empfehlen.

Wenn ich das mit Achtsamkeit und Bedacht geschafft habe, dann kannst das auch du.

Lass es dir gut gehen!

sig

P.S.: Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Ehrlichkeit das Leben einfach macht.

Zuletzt aktualisiert: 21.09.2016