Ich habe mich echt lange geweigert. Über 8 Monate lang habe ich es vor mir hergeschoben: Einen Artikel über “Ziele setzen” zu schreiben.

Mir ist nämlich eines wichtig: Ich will keine Normalo-Artikel schreiben. Ziele-Artikel gibt es Tausende. Und jeder erzählt mehr oder weniger das Gleiche: Aufteilung in beruflich oder privat, SMART-Kriterien einhalten, in ganzen Sätzen niederschreiben, in der Ich-Form und positiv formulieren und, und, und. Vermutlich hast du das schon gelesen. Oder in einem Seminar gehört. Manchmal funktioniert das auch. Aber oft hattest du das Gefühl, dass der Typ, der das schreibt, oder klug drüber redet, das sicher auch nicht so macht.

Und irgendwie nerven mich diese vielen Ratschläge von unzähligen Coaches, Trainern, Büchern, Seminaren, etc., was Ziele betrifft, ungemein.

Seit ich mich mit Persönlichkeitsentwicklung beschäftige, sind Ziele mein Thema. Ich habe echt viel darüber gelesen. Von einfachen Strategien über komplexe Methoden bis zum einfachen vom-Universum-wünschen-und-abwarten ist die gesamte Bandbreite in meiner Birne. Und es mag jetzt Menschen geben, bei denen das eine oder andere funktioniert. Ganz ehrlich: Meiner Überzeugung nach funktioniert der Großteil der Ziele-Strategien beim Großteil der Menschen nicht. Ich mache es jetzt mal anders.

Exkurs: Die Kunst des Drehbuchschreibens

Vermutlich fällt es dir nicht auf, wenn du im Kino sitzt: Du siehst immer den gleichen Film. Hollywood Filme, aber auch Unterhaltungsromane (Krimi, Fantasy, Romantik, etc.) erzählen alle die gleiche Story, nämlich basierend auf der Dramaturgie der sogenannten Heldenreise. Das Buch “Der Heros in tausend Gestalten”* von Joseph Campbell zeigt, dass von der griechischen Mythologie, über Sagen und Märchen, bis zu heutigen Hollywood-Blockbustern jede Geschichte den gleichen Ablauf hat.

Und Drehbuchschreiber folgen diesem Konzept sehr stringent, was du im Buch “Die Odyssee des Drehbuchschreibens” von Christopher Vogler nachlesen kannst. Nur warum fällt uns das nicht auf? Warum wird uns nicht klar, dass Star Wars, Pretty Woman und Rosamunde Pilcher das Gleiche erzählen. Es sind die Charaktere, die den Unterschied machen. Und die Art und Weise, wie wir uns mit den einzelnen Charakteren identifizieren, uns hinein versetzen, mit erleben, sie lieben oder ablehnen.

Der Entwicklung eines Film- oder Buchcharakters wird viel Zeit geschenkt. Der Autor entwickelt eine ganze Lebensgeschichte und zeichnet so bis ins kleinste Detail den jeweiligen Charakter, von Aussehen über Stärken, Macken, Ängsten, Phobien, Fetische, Vorlieben, Fähigkeiten, Abneigungen, Neurosen etc. Die Liste ließe sich lange fortsetzen.

Markus, was hat das mit “Ziele setzen” zu tun, verdammt noch mal?

Wenn ich mir Ziele setze, dann mach ich das Gleiche wie ein Hollywood-Drehbuchautor. Ich beschreibe einen Menschen, entwickle ihn, forme ihn, schenke jedem Detail Aufmerksamkeit, beschreibe, was er tut, was er hat, was er weiß, was er kann und was er ist. Und zwar in glühenden Farben, in bestimmten Situationen, im Endzustand, also so, wie der Mensch ist, wenn er ein bestimmtes Ziel erreicht hat.

Und wie im Film erlebe ich all das hautnah mit, beziehungsweise ich erlebe es vor. Denn der Mensch, den ich beschreibe, dessen Idealbild ich genauso zeichne, wie ein Buchautor seinen Romanhelden entwickelt, dieser Mensch bin ich. Und somit brauche ich keine Regeln, welche Kriterien erfüllt sein müssen, damit ein Ziel richtig formuliert ist. Ich brauche mir keinen Zeitplan machen, keine Zwischenziele setzen, keine Mindmaps zeichnen, kein Vision Board malen.

Ich habe es nämlich bereits erlebt, wie es ist, wie es sich anfühlt, wenn ich das Ziel erreicht habe. Genauso wie sich unser Puls und unser Adrenalinspiegel hebt, wenn wir im Kino mitfiebern (gleichzeitig aber wissen müssten, dass das nun wirklich nicht echt ist), genauso habe ich meinen Film bereits erlebt.

Und ich verspreche dir Eines: Was du so (vor-)erlebt hast, das tritt ein. Denn in deinem Kopf hat sich eine Begeisterung festgesetzt, die keine Liste, keine Strategie, kein Buch und kein Blogartikel dort festgesetzt hat. Sondern die stärkste Kraft, die wir haben: Unsere Gefühle.

Probiere es aus. Endlich macht Ziele setzen mal Spaß.

(ANMERKUNG AUFGRUND VON LESERFEEDBACK: Da ich offensichtlich in diesem Artikel gedanklich zu schnell vorgegangen bin und zu viel vorausgesetzt habe, gibt es  einen Artikel, der den Ansatz konkreter macht und praktische Umsetzungsmöglichkeiten liefert. Du findest ihn HIER)

Zuletzt aktualisiert: 31.05.2016